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Das Restaurant Die Mühle Jork

Wir sind mit Frau Schulze am Samstagvormittag noch vor der Restauranteröffnung verabredet, denn die Plätze sind sehr gut belegt und Frau Schulze hat mit ihrer Familie und ihren Mitarbeitern in der Mühle alle Hände voll zu tun. Sie lässt uns ihren Zeitdruck aber nicht anmerken und führt uns sehr freundlich und kompetent mit kleinen Anekdoten und Erklärungen durch die Lokalität.

Wir sind total verzückt von dem Flair des Innencharakters des Windmühlen-Restaurants, besonders von dem Charme der schiefen Bodendielen, dem alten Mauerwerk und den gerade neu sanierten Mühlenaussenflügeln. Die sehenswerte Mühlentechnik kann man im oberen Teil des Restaurants bestaunen. Von dort aus kann man auf dem Aussenplateau rund um die ganze Mühle herum gehen, einen Aperitif nehmen und den einmaligen und wunderschönen Ausblick auf das Alte Land und über die Elbe bis nach Hamburg genießen.
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Obwohl ungefähr 75% der Gäste Einheimische sind, wundern wir uns nicht, dass ein unglaublicher Run von Hochzeitern mit ihren Gästen, nachdem sie sich im Jorker Rathaus, dem historischen Gräfenhof das Ja-Wort gegeben haben, besteht und man sich hier einfindet.“ Wäre es möglich, am 31.Dezember zu heiraten, hätte das Standesamt auch dann alle Termine belegt“, erzählt uns Frau Schulze lächelnd.

Seit 2011 betreiben Kerstin Schulze und ihr Mann Danny Riewoldt erfolgreich den vom Landkreis Stade gepachteten Gastronomiebetrieb Die Mühle Jork. Sie haben es geschafft, die Mutter von Frau Schulze, Frau Doris Schulze mit ins Boot zu holen. „Es brauchte eine Zeit, bis sie sich überreden ließ, ihren Job aufzugeben und sich bei uns anstellen zu lassen, um den Kuchen und das Brot zu backen.“ Das erzählt uns Frau Schulze, und wir, das Mutter-Tochter-Gespann in Reinkultur, finden es klasse.

Über drei Ebenen, von denen zwei über schmale erneuerte Holztreppen zu erreichen sind, ist das Restaurant für kleinere und größere Festlichkeiten ein ganz besonderes Erlebnis.

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„Die Mühle Jork ist für uns viel mehr als ein Restaurant. Sie ist der Traum von perfekter Gastfreundschaft, den wir uns 2011 nach 10 gemeinsamen Jahren in der gehobenen Gastronomie erfüllt haben.“ Das steht auf ihrer Homepage zu lesen und wir glauben ihnen das gerne.

Frau Schulze serviert uns noch heiße leckere Schokolade und köstlichen Milchkaffee, bevor sie sich wieder ihrer Arbeit widmet. Ihr Blick für liebevolle Details ist uns schon von Anfang an aufgefallen.

Dabei werden Erinnerungen wach an meinen letzten Besuch in diesem Gebäude. Ich war als Teenager mit Freunden bei Wolfgang zum Abhängen. Er war der jüngste Sohn des letzten privaten Eigentümers der Borsteler Mühle, Walter Legenstein. Von diesem Sonnenschein, blond gelockt, immer ein Lächeln im Gesicht und verdammt gut aussehend, waren wir Mädchen alle hin und weg. Sein früher Tod im Alter von 18 Jahren hat uns lange bewegt.

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Wir trinken unseren letzten Schluck Kaffee bei Kerzenschein und lassen die besondere Stimmung noch etwas auf uns wirken, bevor wir uns langsam verabschieden. Das Restaurant bleibt den Januar über geschlossen. Wir nehmen uns fest vor, für den Februar einen Familientisch zu reservieren.

Geschichtliches

Die Windmühle Aurora in Jork ist ein besonderes Schmuckstück des Alten Landes, direkt gegenüber des alten Borsteler Hafen.

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Der Standort für die ursprüngliche Bockwindmühle ist bis ins 17.Jahrhundert belegt. Die Namen der Besitzer reichen vom Gräfe Nicolas Dehmel über Graf Otto Wilhelm von Königsmarck bis hin zum Welfenkönig Georg II von Hannover. Die Namensgeberin der Windmühle war eine Nichte des Grafen von Königsmarck, die Gräfin Maria Aurora von Königsmarck.

Es folgten im Laufe der Zeit noch weitere Besitzübernahmen von Hinrich Wölcken, Hinrich Gehrkens, bis schließlich Johannes Hinrich Peters die Mühle übernahm. Er brachte den Betrieb wieder hoch, obwohl im Zeichen der nun herrschenden Gewerbefreiheit überall Mühlen entstanden. Sein Sohn und Nachfolger Adolf Friedrich Peters ließ die Bockmühle abbrechen und erbaute 1856 die heutige Holländermühle neu auf.

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Adolf Friedrich Peters starb 1861 im Alter von 28 Jahren. Seine Witwe heiratete den Kornschiffer Gerd Pickenpack, der die Mühle weiter betrieb. 1881 erneuerte er das nebenan stehende Wohnhaus und richtete eine Bäckerei ein. 1922 übernahmen Harms und Wahlen die Windmühle von Pickenpack, der das Mühlenhaus jedoch behielt. Spätestens 1932 wurde Franz Wahlen Alleininhaber des Mühlenbetriebes. 1943 wurde das Flügelkreuz bei einem Bombenangriff schwer beschädigt. Danach konnte nur noch mit Motor gemahlen werden.

Der heutige Wohnhausanbau wurde 1953 errichtet. Neben dem Ehepaar Wahlen wohnte darin auch der Schwiegersohn und letzte Müller Walter Legenstein mit seiner Familie. Die damaligen Umstrukturierungen in der Wirtschaft machten die Betriebsbedingungen immer schwieriger und 1961 kam das endgültige Aus für den Borsteler Mühlenbetrieb.

Die Müller Wahlen und der spätere Schwiegersohn Walter Legenstein konnten die Windmühle leider nicht wieder instand setzen. Anfang der achtziger Jahre übernahm schließlich der Landkreis Stade den unter Denkmalschutz stehenden Galerieholländer. In vier Jahren wurde die Mühle restauriert und seit 1985 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Seit 1998 befindet sich in den unteren beiden Etagen der Mühle das Restaurant.