Putzen ist ja so eine Wissenschaft für sich. Aber genau genommen ist das Putzen unserer Wohnung so zu sehen wie das Baden für unsere Körper. Das ist bereits akademisch unter die Lupe genommen worden.

Baden reinigt nicht nur unseren Körper, sondern es tut uns einfach gut. Was wir beim Baden tun, nämlich das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden, können wir doch auch beim Putzen tun.

Wer ebenso sinnlich putzt wie badet, schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe. Beim Baden tauchen wir unseren Körper ein in wohlig warmes Wasser. Wer kommt schon auf die Idee, seine Körperpflege bis zum Bersten zu vernachlässigen? Wir würden unzufrieden, könnten uns selbst nicht mehr riechen und würden auf die Dauer erkranken und vermutlich gnadenlos vereinsamen.
Beim Putzen funktioniert es genauso. Alles eine Frage der Einstellung. Warum also über etwas klagen, was wir nicht ändern können. Alternativen gibt es kaum. Körper und Räume wollen einfach gerne gepflegt sein.

Entstauben und säubern in Gänze muss nicht zwangsläufig krampfhaft geschehen. Wohlwollendes Putzen macht mehr Sinn als klagend zu putzen. Putzen kann ausserdem durchaus entspannen. Ein gesundes Maß einer Wisch- und Weg-Marnier, vielleicht untermalt von angesagter Lieblingsmucke baut sogar Stress ab. Man kommt sowieso nicht drumherum. Saubere Räume schaffen Zufriedenheit, darüber sind wir Wohnenden uns wohl einig.

Der Haken liegt bei der Wertschätzung dieser leicht ominösen Angelegenheit. Putzen klingt vermutlich zu wenig kultiviert. Obwohl Putzen doch sehr wohl aus gelehrter Sicht angegangen werden kann.

Die Philosophin Nicole C. Karafyllis betrachtet Putzen als Selbstverwirklichung und hinterfragt allen Ernstes den Wunsch, nie wieder putzen zu müssen. Sie statuiert vier unterschiedliche Konstitutionstypen:

1. Der Hygieniker, der das keimfreie Putzen als reinen Gesundheitskult sieht.

2. Der Ästhet, der den schönen Schein braucht.

3. Der Funktionalist, der nur das für putzbedürftig hält, was er gerade nutzt.

4. Der Psychoanalytiker, der sich nur für verborgenen Schmutz interessiert und der versucht, dem Geheimnis auf die Spur kommen möchte.

Heute ist Mon-putz-tag. Als Verkörperung aller Funktionstypen werde ich mich als quasi Universalreinigerin nun um meinen eigenen Dreck kümmern und schere mich einen feuchten Kehricht darum, wie andere es finden, dass ich wirklich gerne putze. 😉