„Die Erde ist ein medizinischer Notfall.“ So Dr. Eckart von Hirschhausen in einem Interview beim NDR am 04.02.2019. Man kann es eigentlich nicht besser ausdrücken und inzwischen sehen das immer mehr Verbraucher ähnlich.

Wir haben die vergangenen 50 Jahre dafür gebraucht, unser Leben langsam aber sicher mit Plastik und Kunststoff zu umhüllen. Mittlerweile sind wir trotz des extrem hohen Müllaufkommen zuhause an den lästigen Abfall gewöhnt. Ab in den gelben Sack damit, Restmüll in die graue Tonne und gut ist. Wird bezahlt und abgeholt. Aber so einfach ist es genau genommen nicht, Müll richtig zu trennen. Wussten Sie, dass..

  • ..Briefumschläge und Papierverpackungen mit Plastikfenstern pedantisch zerlegt und die herausgeschnittene Folie in den Gelben Sack gehören?
  • ..Deckel von Marmeladengläsern in die Wertstofftonne und das Glas in den Altglascontainer gehören?
  • ..Zigarettenschachteln auch mehrteilige Verpackungen sind? Die Faltschachtel gehört ins Altpapier, die Kunststoffumhüllung und die Innenbeschichtung in den Gelben Sack.
  • ..leere Joghurtbecher unausgespült direkt in den gelben Sack gehören, die Banderolen aus Pappe aber in die Altpapiertonne?

Wo bleibe ich mit dem alten Handy? Was gehört in den Sondermüll? Wohin mit dem Elektroschrott und andere Fragen zum Müll erfahren Sie in Ihrem jeweiligen Landkreis.

Die meisten unserer Lebensbereiche aus Kunststoffen bemerken wir meistens gar nicht weiter. Wo sollte man auch anfangen: Beim Computer, dem Auto, der Bettwäsche, in der Küchenschublade oder beim Kuli?

Was bedeutet Zero Waste?

  • Respekt vor unserer Erde und vor der Schöpfung
  • Respekt und Achtung vor unseren Nachkommen
  • Gesundheit für Menschen, Tiere und Pflanzen
  • Umwelschutz, saubere Gewässer, reine Luft
  • Ressourcenschonung

Mikroplastik – Nein danke

Zustände wie die Vermüllung der Meere, versiffte Flüsse, die künstlich angelegten Müllberge, die einfach mit Gras übersät werden, Mikroplastik in der Luft und auf Ackerflächen, die Ausbreitung in allen Bereichen der Industrie haben Ausmaße erreicht, die uns endlich mal die Augen öffnen sollten.

Gelbe Säcke Zero Waste

Selbst in Sachen Müll legen wir Deutschen eine Weltmeisterschaft hin. Bio-Plastik macht es da leider auch nicht besser. Müll ist internationale Handelsware, und er reist geschäftlich um die halbe Welt, damit er un-/kontrolliert in irgendwelchen Halden bis in die Ewigkeit verrottet. Was sind das für unwürdige Zustände?

Der Grünen-Chef Robert Habeck fordert eine EU-weite Plastiksteuer auf Wegwerfprodukte. Unser Bewusstsein steuern mit Steuern? Statt die Konzerne zur Rechenschaft zu ziehen, werden wir Bürger zur Kasse gebeten. Naja, immerhin hat das EU-Parlament es fertig gebracht, für das Verbot von Plastikstrohhalmen, Einweggeschirr und Wattestäbchen zu stimmen – ab 2021. Seit 2018 verbietet die EU die kostenlose Ausgabe von bestimmten Plastiktüten. Wahnsinnsleistung.

Plastikflaschen zersetzen sich erst nach 400 Jahren. Inzwischen zersplittert es in so kleine Teilchen, dass Vögel und Fische es fressen, weil sie diese Kleinteile für Nahrung halten. Während wir unser Essen aus der Kunststoffverpackung nehmen, krepieren sie daran elendig vor sich hin.

Folgendes lese ich auf der Homepage vom WWF: „Etwa 70 Prozent der Erdoberfläche sind von Wasser bedeckt. Doch heute schwimmen in jedem Quadratkilometer der Meere hunderttausende Teile Plastikmüll. Jedes Jahr landen etwa 4,8 – 12,7 Millionen Tonnen Plastikmüll in unseren Meeren, und die Ursachen dafür müssen dringend besser und konsequenter bekämpft werden.“

Sie wollen auch etwas ändern?

Super, denn spätestens der Moment, ab dem wir erfahren, dass und wie etwas besser geht, nimmt uns in die Verantwortung.

Zero Waste ist mittlerweile Lifestyle und gilt längst nicht mehr nur für spinnerte Ökofreaks und grüne Hippies. Ein dringend nötiger Lifestyle, denn Mikroplastik gelangt über die Fische in unsere Nahrungskette und allerspätestens an dem Punkt sollten wir uns überlegen, wie wir ins Handeln kommen.

Sie wollen auch etwas ändern und fragen sich, womit Sie anfangen können? Legen Sie mit kleinen Schritten am besten zuhause los, um sich umzustellen. Sicher müssen wir wieder etwas mehr Aufwand betreiben, aber es ist die richtige Richtung und es gibt ein gutes Gefühl, das Richtige zu tun.

Bereits vorhandene Sachen aus Plastik und Kunststoff in Ihrem Haushalt sollten Sie erstmal nicht gleich alle wegwerfen, sondern soweit weiterverwenden, bis sie verbraucht sind. Für Neuanschaffungen achten Sie auf natürliche Alternativen, der Handel reagiert bereits teilweise darauf und bietet natürlich hergestellte Produkte an.

Kennen Sie Ihren CO2-Fußabdruck? Schauen Sie mal: www.uba.co2-rechner.de

Kennen Sie auch die tolle Aktion der Schülerfirma meehr aus Rendsburg? Hier entlang: www.meehr.net

Zero Waste Plastiktüte
Zero Waste Stoffbeutel
Meal Prep im Glas Zero Waste

Ideen für Zero Waste in der Küche

  • Teekessel statt Wasserkocher aus Plastik.
  • Statt Frischhaltefolie zum Abdecken besser Teller, Deckel, Bienen-Wachstuch, auskochbare Mulltücher. Alufolie oder Plastikfolien sind praktisch, sie erhöhen allerdings unnötig die Müllberge.
  • Wischlappen aus Naturmaterial statt aus Kunststoff kaufen. Aus alten Handtüchern einfach die Wischlappen selber nähen.
  • Der einfachste Weg, um Müll zu vermeiden ist, Lebensmittel weitestgehend selbst herzustellen und zu kochen. Zum Beispiel: Mandelmilch leicht selber herstellen oder Löwenzahnkapern.
  • Emailleeimer statt Plastikeimer.
  • Holzbürsten statt Plastikbürsten.
  • Kostenloser Blumendünger aus Eierschalen.
  • Knipsen Sie das Licht aus, wenn Sie den Raum etwas länger verlassen.
  • Schalten Sie stromhaltige Geräte ganz aus statt sie ständig auf Standby zu lassen.
  • Restevermeidung und Resteverwertung fängt mit der Einkaufsplanung an.
  • Eine Möglichkeit, trockenes Brot weiterzuverarbeiten: Paniermehl ganz easy selber machen.
  • Kompostbehälter für die Küche.
  • Kräuter selber ziehen, statt aus dem Ausland aufwändig importierte kaufen.
  • Teebeutel sind praktisch. Im Verhältnis der Teemenge aber oft zu intensiv für eine Tasse, außerdem teurer und aufwändiger verpackt als loser Tee. Wie wäre es mit einem Tee-Ei oder einem Sieb, für das Sie die Teemenge selber dosieren können?
  • Keine billigen Fleischprodukte mehr. Den Fleischkonsum reduzieren.
  • Legen Sie mal einen zuckerfreien Monat ein. Sie werden sich wundern, wie stark sich der Müll verringert.
  • Pulver für die Spülmaschine zum Selbermischen aus Bio-Kernseife, Zitronensäure und Waschsoda. Buchtipp: Noch besser leben ohne Plastik
  • Kaffee selber aufbrühen statt Kaffeemaschine mit Kapseln zu verwenden.
  • Großpackungen statt kleine Verpackungen.
  • Achten Sie auf gute Qualität. Sie zahlt sich aus. Gute Ware ist beständiger als Billigprodukte und damit letzten Endes günstiger.
  • Verwenden Sie Stoffservietten statt Papierservietten.
  • Coffee to go: Nehmen Sie Ihren eigenen Kaffeebecher mit. Manche Cafés geben Rabatt auf eigene mitgebrachte Becher. Fragen Sie nach.
  • Aus Apfelschalen lässt sich einfach Früchtetee zubereiten. Die Schalen mit frisch abgekochtem Wasser übergießen, mindestens 10 Minuten ziehen lassen und fertig.
  • Mülleimer mit Zeitungspapier auslegen statt Müllbeutel aus Plastik.
  • Kaufen Sie keine 150-Gramm-Joghurtbecher aus Plastik, sondern recyclebare 500-Gramm-Gläser.
  • Werfen Sie Schraubgläser nicht weg. Sie können sie zur Aufbewahrung von getrockneten Lebensmitteln zum Beispiel für Erbsen und Linsen, Sonnenblumenkernen, Haferflocken und Nüssen verwenden. Sie sind auch praktische Behälter für Essensreste, zum Einfrieren, zum Mitnehmen und für unterwegs.
  • Bestimmtes Gemüse kann man einfach aus den Gemüseabfällen selber ziehen. Siehe unten: 5 einfache Beispiele, Gemüse selber zu ziehen.
Coffee to go

Auch Essig lässt sich einfach aus Äpfeln herstellen

  • Äpfel abspülen, schälen und das Kerngehäuse herausschneiden.
  • Einen Behälter zu 3/4 mit Apfelschalen und Kerngehäuse füllen und mit Wasser bedecken.
  • Mit einem Tuch so abdecken, dass keine Fruchtfliegen, aber ausreichend Luft in das Glas gelangen können.
  • Das Glas eine Woche zur Seite stellen, täglich zur Vorbeugung von Schimmel mit einem Löffel umrühren.
  • Anschließend den Sud abseihen und in ein Glas füllen, das wieder luftdurchlässig und vor Fliegen geschützt abgedeckt wird.
  • Etwa 6-8 Wochen ruhen lassen.
  • Den Sud anschließend durch ein feines Sieb geben.
  • Füllen Sie den Essig nun in saubere Flaschen oder Gläser.
  • Sie sollten gut verschließbar sein, damit der Essig nicht verdirbt.
  • Die Flaschen oder Gläser beschriften und den Essig kühl und dunkel lagern.
Apfeltee

Zero Waste – Ideen beim Einkaufen

  • Wenn möglich, in Unverpackt-Läden einkaufen.
  • Denken Sie an die Einkaufsliste.
  • Einkaufsbeutel aus Stoff und Einkaufskorb statt Plastiktüten. Ich habe eine Stofftasche immer in der Handtasche oder im Auto dabei.
  • Glasflaschen statt Plastikflaschen. Milch, Senf, etc. im Glas statt in der Kunststoffverpackung kaufen. Kaufen Sie keine 150-Gramm-Joghurtbecher aus Plastik, sondern in einem größeren Glas.
  • Gläser statt Tuben.
  • Sie sind auf der Jagd nach Schnäppchen? Wie passt Ihr Kaufverhalten mit Zero Waste zusammen?
  • Einwegprodukte vermeiden.
  • Obst und Gemüse unverpackt einkaufen. Achten Sie auf Frische bei verpacktem Obst und Gemüse. Lassen Sie im Zweifelsfall die Plastikverpackung im Laden.
  • Für Brot, Brötchen, Kartoffeln jeweils eigene Beutel anschaffen und auf Tüten aus dem Laden verzichten.
  • Kaufen Sie saisonal und regional.
  • Bestellungen im Intenet sind zwar praktisch, jedoch sollten wir die Läden vor Ort unterstützen.
  • Behälter oder Gläser von zuhause mitnehmen und die Ware wie z.B. Käse einpacken lassen statt in Kunststoff verpackte Ware.
Nachhaltigkeit Zero Waste

Zero Waste – Ideen beim Putzen

  • Neutralseife, Essig, Zitronensäure, Soda, Natronsalz oder Kernseife verwenden statt chemische, überteuerte Spezialreinger in Plastikverpackungen. Sie sind völlig unnötig.
  • Glasreinigungsmittel lässt sich einfach selber herstellen: Je nach Bedarf 1/4 Liter Wasser mit einem Schuss Essig, Essigessenz oder Waschbenzin mischen und in eine Sprühflasche füllen.
  • Den Staubsauger für kleinere Flächen stehen lassen. Mit Besen, Handfeger und Schaufel lässt sich Strom sparen.
  • Kalkablagerungen auf Armaturen, Wasserhähnen und Kacheln hinterlassen hässliche Flecken. Die Ablagerungen können sich mit der Zeit in die Armatur fressen, wenn nicht regelmäßig geputzt wird. Um vorzubeugen, wischen Sie einfach nach jeder Benutzung mit einem trockenen Lappen über die feuchten Stellen.

Tipps für den Kühlschrank

Auf die richtige Lagerung kommt es an. Ordnen Sie die Lebensmittel in die für sie vorgesehenen Fächer. Mein Lesetipp: So reinigen Sie den Kühlschrank richtig. Tauen Sie den Kühlschrank rechtzeitig ab. Wichtig ist eine regelmäßige Reinigung, um Schimmelbildung und schmutzige Ablagerungen vorzubeugen. Starke Vereisung erhöht unnötig die Stromkosten. Je nach starker Nutzung sollte der Kühlschrank ungefähr alle 4 – 8 Wochen gereinigt werden.

Wäsche waschen mit Kastanienwasser

Das funktioniert, weil Kastanien Saponine, also Seife enthalten. Versuchen Sie es mal. So geht’s:

  • Kastanien einfach im Herbst sammeln und lagern.
  • Für einen Waschgang einen Tag vorher drei bis vier Kastanien zerkleinern und in ein Schraubglas geben. 250 ml Wasser aufkochen und über die Kastanien gießen. Für sechs bis 24 Stunden ziehen lassen.
  • Der Sud wird abgeseiht und ohne Kastanien ins Hauptfach der Waschmaschine gegeben.
  • Statt Weichspüler etwas Natron ist den letzten Spülgang geben.

5 kinderleichte Beispiele, Gemüse selber zu ziehen

  • Lauch/ Frühlingszwiebel

Das Wurzelende vom Lauch (Porree) oder einer Frühlingszwiebel zwei cm abschneiden und in ein Glas oder eine Tasse stellen. Mit etwas Wasser auffüllen und das Gefäß auf die Fensterbank stellen. Alle paar Tage das Wasser austauschen. Nach relativ kurzer Zeit erwächst aus dem Wurzelende eine neue Pflanze, die dann wieder abgeschnitten und verwendet werden kann. Die Wurzel kann anschließend erneut im Glas eine Pflanze bilden oder auch in die Erde gesetzt werden.

  • Zwiebel/ Knoblauch

Die Zwiebel, bzw. Knoblauch keimen lassen und in einen Blumentopf mit Erde gefüllt stecken und angießen. Oder ab Mai direkt in die Gartenerde stecken und mit ein wenig Erde bedecken. Die Erde immer leicht feucht halten, so wächst eine neue gesunde Pflanze nach.

  • Tomaten

Auch Tomaten sind einfach selber zu züchten: www.tomaten.de/tomatensamen-gewinnen

  • Kartoffeln
    Kartoffeln solange liegen lassen, bis sie keimen. Je mehr Augen eine Knolle hat, desto mehr Keimlinge entwickeln sich. Sie können entweder die ganze Kartoffel in die Erde pflanzen oder sie in Stücke schneiden. Jedes Stück braucht ein paar Augen. Diese Stücke antrocknen lassen, damit sie nicht faulen und anschließend in die Erde pflanzen. Regelmäßig gießen.